DER SÄNGER UND DER TEQUILA

Das ist Townes van Zandt. Im Herbst 1990 spielte er im Quasimodo in Westberlin, und weil ich ihn toll fand, ging ich hin. Nach dem Konzert setzte er sich an einen der Tische und bestellte sich etwas zu trinken. Ich fasste mir ein Herz, ging zu ihm, stellte mich vor und fragte ihn, ob er mir ein Interview geben würde.
„Ein Interview?“ Er schaute mich belustigt an. „Ich gebe doch jetzt kein Interview. Morgen vielleicht. Im Hotel. Sagen wir um elf.“
Die Kellnerin kam und stellte ein Schnapsglas, Zitrone und einen Salzstreuer vor ihn hin. Er streute etwas Salz in seine Handbeuge, leckte es ab, trank den Schnaps und saugte anschließend die Zitrone aus. Da ich so etwas vorher noch nie gesehen hatte, hielt ich ihn für verrückt und verabschiedete mich schnell.
Am nächsten Vormittag erschien ich zur verabredeten Zeit in seinem Hotel. Townes van Zandt war nicht zu sprechen. Egal. Ich hatte eines der einsamsten und schönsten Konzerte meines Lebens gesehen und gelernt, wie man Tequila trinkt.

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