ERFINDER ERFUNDEN

Das ist der Minister des Königs von Frankreich. Er möchte, dass sein Chef gut ankommt beim Volk, doch das Volk kann den König nicht leiden und findet, dass er aussieht wie ein Schwein.
So ungefähr beginnt die Geschichte DER KÖNIG VOR DEM FOTOAPPARAT, die sich Thomas Brasch über den Erfinder der Fotografie Louis Daguerre ausgedacht hat. Sie ist eines von drei Erfindermärchen, die jetzt im Künstlerband HEUTE WIRD SICH ALLES ÄNDERN von Matthias Mücke erschienen sind. Die anderen beiden handeln von Alexander Graham Bell (Telefon) und Peter Henlein (Taschenuhr).
Diese Geschichten sind voller Phantasie und anarchischem Witz und werden durch die skurril-subtilen Illustrationen von Matthias Mücke zu einem grandiosen Gesamtkunstwerk, das jetzt als Künstlerbuch erschienen ist. Dazu gehört auch ein aufwendig produziertes Hörspiel, das dem Buch beliegt.
Heute Abend läuft es 22:03 Uhr bei Deutschlandfunk Kultur, kann man da aber auch gleich online hören.

Hier ein kleiner Ausschnitt …

Sprecher: Stefan Kaminski (Berlin), Stefan Kaminsky (Leipzig) und Marion Brasch
Geräusche: Karlheinz Fabian
Tongestaltung und Mischung: Fritz Dittmann
Regie: Matthias Mücke

Und hier noch eine schöne Aufnahme der Geschichte VOM DICKEN HERRN BELL, DER DAS TELEFON ERFUNDEN HAT, gesprochen vom Schauspieler Rolf Ludwig und als Single 1974 bei LITERA erschienen.

“GANG” DER GESCHICHTE

Das ist ein Foto von 1968. Es zeigt junge Menschen in Ostberlin (die Verfasserin gehört dazu).
Im Jahr 2021 ist es dank technischen Fortschritts im Dienste historischer Ereignisse möglich, das Bild sinnstiftend zu ergänzen.

RADIO-AKTIVITÄT

Das ist eine rote Blockflöte. Sie gehörte mal Christian Ulmen, und er hat sie hierfür benutzt:

Das wiederum ist ein Textauszug aus der Komödie DIE PHYSIKER von Friedrich Dürrenmatt, der heute vor 100 Jahren geboren wurde.
Sechzig Jahre ist es her, seit er dieses Stück geschrieben hat. Und zehn Jahre, dass Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Ulmen vorschlugen, es bei Radioeins in einer szenischen Live-Lesung aufzuführen. Der Grund war damals die fatale Aktualität, die der Stoff durch die am 11. März 2011 von einem Tsunami ausgelöste Reaktor-Katastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima bekam.
Wir haben die Lesung dann ganz schnell organisiert und nur ein paar Tage später im radioeins-Studio im Admiralspalast ohne auch nur einmal zu proben, aufgeführt. Mit dabei waren außerdem Anna-Maria Mühe, Hajo Schumacher, Westbam, Michi Beck, Jörg Schönbohm und ich.

Hier ist der Mitschnitt.

Und so hat das RBB-Fernsehen darüber berichtet.

MASEL TOV COCKTAIL

Das ist Dima. Er ist 16 und lebt im Ruhrgebiet. Nichts besonderes, außer dass er Jude ist. Sollte eigentlich auch nichts besonderes sein, ist es aber. Leider.
MASEL TOV COCKTAIL ist ein Film, der in 30 Minuten alles zum Thema Herkunft, Judentum, Ressentiments, Antisemitismus und Gegenwartsbewältigung auf den Punkt bringt.
Das sind die klügsten, originellsten, aufklärerischsten und dann auch noch talentiertesten 30 Filmminuten, die ich dazu bis jetzt gesehen habe. (Bis Frühjahr 2021 in der Mediathek).

ES WAR EINMAL DIE ZUKUNFT

Das ist New York auf einer Postkarte von 1925. Tatsächlich gab es damals auch schon einige Wolkenkratzer, doch die imposanten Flugapparate und das ausgeklügelte Hochbahnsystem waren noch eine Utopie. Sind es ja im Grunde bis heute.
Und hier noch ein schöner Film aus demselben Jahr. Ein niederländisches Ehepaar filmte in Midtown, Lower Manhattan, Brooklyn und auf Coney Island. Etwas bizarr der Rialto Sightseeing Bus mit Hakenkreuz (2’47), das in dieser Darstellung hier vermutlich lediglich seine eigentliche und harmlose Bedeutung als Glückssymbol indischer Religionen hatte.

СПЕЙС ДОГС – SPACE DOGS

Das ist Laika. Am 3. November 1957 wurde die sowjetische Straßenhündin in einem Sputnik in die Erdumlaufbahn geschossen und war damit das erste Lebewesen im Weltall. Überlebt hat sie diese Mission nicht. Doch es gibt die Legende, dass sie als Geist auf die Erde zurückgekehrt ist und seitdem durch die Straßen Moskaus streift.
Die beiden österreichischen Filmemacher Elsa Kremser und Levin Peter sind Laikas Spuren gefolgt und begleiten zwei ihrer Nachkommen buchstäblich auf Augenhöhe durch einen Alltag, den sie mit der Geschichte der sowjetischen Raumfahrt verknüpfen – einer Geschichte unendlichen Leids für Tiere, die der Forschung dienen mussten.
SPACE DOGS ist ein berührender, verstörender und ungewöhnlicher Dokumentarfilm. Ab Donnerstag (24.9.) läuft er im Kino.

KERZE MIT ZWEI ENDEN


Foto: Miroslav Murazov

Das ist Wladimir Wyssozki als Hamlet. Die letzte Vorstellung am Moskauer Taganka-Theater spielte er am 18. Juli 1980. Als er eine Woche später mit nur 42 Jahren an Herzversagen starb, weinten und trauerten die Menschen, denn Wyssozki war nicht nur Schauspieler, sondern vor allem charismatischer Dichter und Sänger von Liedern, die ins Herz trafen und deren zornige Poesie der sowjetischen Regierung ein Dorn im Auge war. Wyssozki war die personifizierte Rebellion und entsprach mit seinem exzessiven, alkoholgetränkten Lebensstil so gar nicht dem Bild einer sozialistischen Persönlichkeit. Er war die sprichwörtliche Kerze, die an beiden Enden brannte.
Obwohl die Moskauer Behörden die Beerdigung wegen der gerade stattfindenen Olympischen Spiele geheimhalten wollte, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer im Land. Hunderttausende sollen sich versammelt haben, um sich von ihrem Idol, der als Hamlet zu Grabe getragen wurde, zu verabschieden.
Das ist jetzt genau vierzig Jahre her. Hier der Trailer zu einer Doku über ihn und darunter sein Lied “Wolfsjagd”.

DIE BUCHSTABENSAMMLER

Das ist ein A. Es gehörte bis 2008 zum Schriftzug des Modegeschäftes EBBINGHAUS an der Leipziger Straße in Berlin-Mitte. Als der Laden schloss, drohte der Leuchtreklame die Verschrottung, doch sie wurde gerettet und gehört jetzt zur schönen und beeindruckenden Sammlung des ersten Buchstabenmuseums der Welt, zu der neben einzelnen Buchstaben auch komplette Schriftzüge gehören, wie zum Beispiel die legendäre Leuchtreklame der Zoohandlung am Frankfurter Tor.

Das Buchstabenmuseum musste ein paarmal umziehen, doch jetzt hat es einen Ort gefunden, an dem es hoffentlich lange bleiben wird – im Hansaviertel. Dort erzählt es nicht nur etwas über die Entwicklung von Typografie und Gebrauchsgrafik, sondern auf sehr ungewöhnliche und sinnliche Weise auch von der Geschichte der Stadt. Hier ein Reklamefilm aus dem Jahr 2015, als sich das Museum noch in der ehemaligen Kaufhalle an der Jannowitzbrücke befand.