BLAUDUNKLE LIEDER


(Foto: xenorama)

Das ist Masha Qrella. Sie ist eine Künstlerin, die es vermag, Dunkelheit und Melancholie in leuchtende Musik zu legen. Das hat sie mit ihren eigenen Songs getan, und das tut sie jetzt auch mit den Texten von Thomas Brasch. Wenn man seine Gedichte kennt, kann man sich oft nicht vorstellen, dass und wie sie vertont werden könnten. Masha hat es getan, und es “funktioniert” nicht nur, sie gibt dieser Poesie zudem einen ganz eigenen Raum, ohne sie darin einzusperren.
WOANDERS heißt ein Abend mit diesen Songs und Räumen. Neben ihrer Band (Chris Imler und Andreas Bonkowski) sind als Gäste dabei: Tarwater, Dirk von Lowtzow, Andreas Spechtl und ich.
Heute ist Premiere im HAU. Die ist leider ausverkauft, aber es gibt weitere Vorstellungen am 5., 6. und 7. Dezember, jeweils 20 Uhr. Im nächsten Jahr kommt wahrscheinlich eine Platte, das ist gut … Und hier ist Masha mit einem ihrer eigenen schönen Songs.

MAHNA MAHNA

Das ist eine Skizze von Jim Henson. Der Entwurf für eine Puppe, die in einem Sketch auftreten soll, der in die Geschichte eingehen wird. Das war vor fünfzig Jahren (27. November 1969) in der Sesamstraße und ging so:

In einer späteren Version von 1976 treten die Zwillingsmonster The Snowths als Background-Sänger auf, und der gemaßregelte Solist wird am Ende gänzlich die Nerven verlieren:

1996 spielt Sandra Bullock in einer Episode der Muppet Show eine Psychiaterin, die sich eines Problems von Kermit annimmt. Er glaubt, seltsame Kreaturen zu sehen, wenn er das Wort “Phänomene” sagt.

Und hier schließlich das italienische Original aus dem Jahr 1968. Das Lied gehört zum Soundtrack des italienischen Films SCHWEDEN – HIMMEL UND HÖLLE.

DIE BUCHSTABENSAMMLER

Das ist ein A. Es gehörte bis 2008 zum Schriftzug des Modegeschäftes EBBINGHAUS an der Leipziger Straße in Berlin-Mitte. Als der Laden schloss, drohte der Leuchtreklame die Verschrottung, doch sie wurde gerettet und gehört jetzt zur schönen und beeindruckenden Sammlung des ersten Buchstabenmuseums der Welt, zu der neben einzelnen Buchstaben auch komplette Schriftzüge gehören, wie zum Beispiel die legendäre Leuchtreklame der Zoohandlung am Frankfurter Tor.

Das Buchstabenmuseum musste ein paarmal umziehen, doch jetzt hat es einen Ort gefunden, an dem es hoffentlich lange bleiben wird – im Hansaviertel. Dort erzählt es nicht nur etwas über die Entwicklung von Typografie und Gebrauchsgrafik, sondern auf sehr ungewöhnliche und sinnliche Weise auch von der Geschichte der Stadt. Hier ein Reklamefilm aus dem Jahr 2015, als sich das Museum noch in der ehemaligen Kaufhalle an der Jannowitzbrücke befand.

I’M OK

Das ist der österreichische Maler Oskar Kokoschka in einem Selbstporträt von 1918. Nachdem drei Jahre zuvor seine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit Alma Mahler auf dramatische Weise endete, meldete er sich freiwillig an die Front und wurde verwundet.
Die Filmemacherin Elizabeth Hobbs erzählt zur Musik von Glucks “Orpheus und Eurydike” in einer rauschhaften Animation von Tuschebildern, die Kokoschka in dieser Zeit malte, wie der Künstler während des Rücktransports aus Russland Flashbacks zwischen Liebestaumel und Kriegstrauma erlebt.

1989

Das ist mein Kalender 1989. Steht einiges drin, aber die beste Geschichte erzählt er von außen. Dass nämlich am Anfang (unten) nicht so viel los war, dazwischen mal mehr und danach sehr viel.

NIEMANDSLAND

Das sind zwei Jungs in Mädchenkleidern. Sie sind “Blutsbrüder”, wohnen in Pankow und haben sich für den 27. Nationalfeiertag der DDR hübsch gemacht. Als Mutprobe. Sie sind zwölf Jahre alt.
Das ist eine der Episoden, die der Künstler Matthias Friedrich Muecke in seinem Buch NIEMANDSLAND erzählt. Episoden, die so alltäglich und dramatisch und lustig und traurig sind wie das Leben, wenn man in den 70er Jahren in Pankow aufwächst.
NIEMANDSLAND ist jedoch anders als andere Coming of Age-Geschichten, denn Muecke ist nicht nur ein sehr guter Erzähler, er hat dieses Buch auch mit ungemein detailreichen und sehr atmosphärischen Illustrationen versehen. So kann man die Abenteuer der beiden Helden in allen Grautönen buchstäblich sehen, riechen und schmecken. – Ein großartiges, wunderbar ausgestattetes Buch aus dem Verlag KUNSTANSTIFTER.

Weiterführende Informationen:
Beitrag mit Interview im RBB-Fernsehen
Am 29. Oktober liest Matthias Friedrich Muecke um 20 Uhr im Pankower BUCHLOKAL