JUNI 2020

Eine Sekunde am Tag oder “Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese” (Friedrich Nietzsche)

MEN IN THE TREE

Musik: Mississippi John Hurt

PS: Weil einige insistiert oder gefragt hatten, dass oder ob diesem Baum Unrecht widerfahren sei. Nein, dieser Baum wurde von edlen Baumrettern und -verstehern mit Zärtlichkeit und großem Sachverstand behandelt.

TEUFEL RETTEN

Das ist ein Tasmanischer Beutelteufel. Er sieht ein bisschen angepisst aus, was daran liegt, dass er es oft auch ist. Warum man ihn zu den Wutbürgern unter den Tieren zählen kann und warum seine Art vom Aussterben bedroht ist, erfährt man im Kreaturen-Podcast der kleinen Artenschutz-Organisation CITIZEN CONSERVATION.
Für den Podcast wurden Künstler wie Dirk von Lowtzow, Katharina Wackernagel, Reinhard Mey, Dota Kehr, Wladimir Kaminer, Bov Bjerg und Horst Evers gebeten, ein bedrohtes Tier vorzustellen. Die Texte hat die grandiose Ulrike Sterblich, alias SUPATOPCHECKERBUNNY, geschrieben. Ich durfte auch mitmachen.

BREAKING RAMEAU

Das sind Leute, die einem Mann bei einem gekonnten Breakdance-Move zuschauen. Was aussieht wie eine Szene von heute, gehört zur Choreographie für die barocke Ballettoper LES INDES GALANTES von Jean-Philippe Rameau. Die Inszenierung hatte im Herbst letzten Jahres in Paris Premiere, und allein diese Szene ist so ungewöhnlich und atemberaubend, dass man die Musik dazu sofort in Dauerschleife hören möchte.
Die komplette Aufzeichnung der Inszenierung gibt es noch bis Oktober in der ARTE-Mediathek.

Und noch ein “Point of View”-Kurzfilm, der während der Proben entstanden ist.

WOVON LEBT DER MENSCH

Das ist ein Bild aus New York. Ich habe es gemacht, als ich vor zwei Jahren für einige Wochen dort war. Es war eine gute Zeit – das sehe ich, wenn ich mir die Bilder von damals anschaue. Es war Frühling, so wie jetzt. Und doch sind es Bilder wie aus einem anderen Zeitalter. Das wurde mir besonders klar, als ich vor kurzem einen Text von Marie Pohl las. Sie lebt in New York und erzählt, wie sie ihre Stadt in den letzten Wochen erlebt hat.
Als ich dann durch Zufall vor ein paar Tagen den Brecht/Weill-Song “Wovon lebt der Mensch” aus der Dreigroschenoper in einer Version von Tom Waits gehört habe, dachte ich, das gehört alles zusammen …

Und hier das Original, 1958 gesungen von Lotte Lenya:

Und dann heute die New York Times

GREENFIELDS

Das sind Vater und Sohn. Sie leben in einer Stadt, die durch Totalitarismus und umweltverschmutzende Industrie beherrscht wird. Eines Tages fällt den beiden ein Flugblatt in die Hände, das ihnen ein besseres Leben verheißt …

NACHRICHTEN AUS BERLIN

Das ist der Himmel über Berlin. So sieht er heute aus, aber so könnte er auch ausgesehen haben, als der polnische Autor Antoni Graf Sobański von 1933 bis 1936 als Reporter durch Deutschland reiste, um zu sehen und zu beschreiben, wie sich dieses Deutschland, das er aus der Ferne immer geliebt und bewundert hat, nach Hitlers “Machtergreifung” verändert.
Seine Aufzeichnungen haben die Schauspieler des Projekts Neues Künstler Theater zu einer literarischen Miniserie verdichtet, in der Sobánskis Texte mit stillen Bildern von heute und der Musik von damals unterlegt werden. Schön und verstörend zugleich. Hier ist Teil 1: