MASEL TOV COCKTAIL

Das ist Dima. Er ist 16 und lebt im Ruhrgebiet. Nichts besonderes, außer dass er Jude ist. Sollte eigentlich auch nichts besonderes sein, ist es aber. Leider.
MASEL TOV COCKTAIL ist ein Film, der in 30 Minuten alles zum Thema Herkunft, Judentum, Ressentiments, Antisemitismus und Gegenwartsbewältigung auf den Punkt bringt.
Das sind die klügsten, originellsten, aufklärerischsten und dann auch noch talentiertesten 30 Filmminuten, die ich dazu bis jetzt gesehen habe. (Bis Frühjahr 2021 in der Mediathek).

ES WAR EINMAL DIE ZUKUNFT

Das ist New York auf einer Postkarte von 1925. Tatsächlich gab es damals auch schon einige Wolkenkratzer, doch die imposanten Flugapparate und das ausgeklügelte Hochbahnsystem waren noch eine Utopie. Sind es ja im Grunde bis heute.
Und hier noch ein schöner Film aus demselben Jahr. Ein niederländisches Ehepaar filmte in Midtown, Lower Manhattan, Brooklyn und auf Coney Island. Etwas bizarr der Rialto Sightseeing Bus mit Hakenkreuz (2’47), das in dieser Darstellung hier vermutlich lediglich seine eigentliche und harmlose Bedeutung als Glückssymbol indischer Religionen hatte.

SCHÖNER SCHEITERN

Das ist Anton Weil. Er ist Schauspieler und hat seit einer Weile einen eigenen Podcast. SCHÖNER SCHEITERN heißt der, und schön ist daran nicht nur der Titel, sondern dass Antons Gespräche mit seinen Gästen (u.a. Sandra Hüller, Daniel Zillmann, Hengameh Yaghoobifarah, Louis Hofmann) weit über das Thema hinausgehen – auf ernsthafte, warme, witzige und immer wahrhaftige Weise. Es macht Spaß, zuzuhören. Und es macht Spaß, dabei zu sein.

Und hier ist das sehr schöne und lustige Showreel von Anton Weil:

СПЕЙС ДОГС – SPACE DOGS

Das ist Laika. Am 3. November 1957 wurde die sowjetische Straßenhündin in einem Sputnik in die Erdumlaufbahn geschossen und war damit das erste Lebewesen im Weltall. Überlebt hat sie diese Mission nicht. Doch es gibt die Legende, dass sie als Geist auf die Erde zurückgekehrt ist und seitdem durch die Straßen Moskaus streift.
Die beiden österreichischen Filmemacher Elsa Kremser und Levin Peter sind Laikas Spuren gefolgt und begleiten zwei ihrer Nachkommen buchstäblich auf Augenhöhe durch einen Alltag, den sie mit der Geschichte der sowjetischen Raumfahrt verknüpfen – einer Geschichte unendlichen Leids für Tiere, die der Forschung dienen mussten.
SPACE DOGS ist ein berührender, verstörender und ungewöhnlicher Dokumentarfilm. Ab Donnerstag (24.9.) läuft er im Kino.

LEIF IN CONCERT

Das ist eine Frau in einer Kneipe. Sie heißt Lene (Luise Heyer) und hat eine Schicht hinterm Tresen vor sich. Die Kneipe ist noch leer, doch das wird sich in den nächsten Stunden ändern. Es werden Leute kommen und gehen und mit ihnen ihre kleinen und großen Probleme. Die Kneipe ist ihr Wohnzimmer, ihr Probenraum, ihr Versteck, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Lene steht hinterm Tresen, ist eine von ihnen und weiß nicht, wie der Tag enden wird.
LEIF IN CONCERT, VOL. 2 ist ein warmer, lustiger, melancholischer, kluger Film von Christian Klandt, in dem tolle Schauspieler (u.a. Jule Böwe, Klaus Manchen, Maryam Zaree, Tilo Prückner, Katharina Matz, Michael Klammer, Godehard Giese) neben grandiosen Nichtschauspielern (u.a. Martin “Gotti” Gottschildt, Bela B, Mark Benecke, Wencke Wollny von KARL DIE GROSSE) zu sehen sind.
Eine Liebeserklärung an die Kneipe (die wir hoffentlich irgendwann wieder so voll sehen werden wie am Ende des Films), das beste unsichtbare Luftgitarrenkonzert und eine schöne Verbeugung vor Jim Jarmusch …
Ab 16. Juli im Kino. Den sehr guten Soundtrack gibt es hier.

WOVON LEBT DER MENSCH

Das ist ein Bild aus New York. Ich habe es gemacht, als ich vor zwei Jahren für einige Wochen dort war. Es war eine gute Zeit – das sehe ich, wenn ich mir die Bilder von damals anschaue. Es war Frühling, so wie jetzt. Und doch sind es Bilder wie aus einem anderen Zeitalter. Das wurde mir besonders klar, als ich vor kurzem einen Text von Marie Pohl las. Sie lebt in New York und erzählt, wie sie ihre Stadt in den letzten Wochen erlebt hat.
Als ich dann durch Zufall vor ein paar Tagen den Brecht/Weill-Song “Wovon lebt der Mensch” aus der Dreigroschenoper in einer Version von Tom Waits gehört habe, dachte ich, das gehört alles zusammen …

Und hier das Original, 1958 gesungen von Lotte Lenya:

Und dann heute die New York Times

NACHRICHTEN AUS BERLIN

Das ist der Himmel über Berlin. So sieht er heute aus, aber so könnte er auch ausgesehen haben, als der polnische Autor Antoni Graf Sobański von 1933 bis 1936 als Reporter durch Deutschland reiste, um zu sehen und zu beschreiben, wie sich dieses Deutschland, das er aus der Ferne immer geliebt und bewundert hat, nach Hitlers “Machtergreifung” verändert.
Seine Aufzeichnungen haben die Schauspieler des Projekts Neues Künstler Theater zu einer literarischen Miniserie verdichtet, in der Sobánskis Texte mit stillen Bildern von heute und der Musik von damals unterlegt werden. Schön und verstörend zugleich. Hier ist Teil 1:

42 SEKUNDEN

Das ist ein Augenblick. Er gehört zur Geschichte des Kurzfilms LAST DAY DREAM von Chris Milk. Der Amerikaner macht hauptsächlich Musikvideos, doch hier erzählt er die Geschichte eines Lebens, und zwar aus der Perspektive dessen, der es gelebt hat. Vom Anfang bis zum Ende. In nur 42 Sekunden. Berührend.

HUMAN

Das ist ein Fischer auf dem Léfini River im Kongo. Das Bild hat der französische Fotograf und Filmemacher Yann-Arthus Bertrand gemacht. Es ist schon eine Weile her, dass er zwei Jahre lang mit einem Filmteam durch die Welt gereist ist, sie von oben filmte und Interviews mit zweitausend Menschen geführt hat.
Was ist dein Schmerz, dein Zorn, deine Hoffnung – das waren die Fragen, die er ihnen gestellt hat. Er sagt, er habe gelernt, dass unsere Spezies voll von Menschlichkeit und Empathie sei. Doch genauso trügen wir die Fähigkeit zur Grausamkeit in uns. Und dass man wählen könne, wofür man sich entscheide.
HUMAN heißt der ebenso berührende wie verstörende Film, der vor ein paar Jahren im Kino lief, und den man hier in deutscher Sprache sehen kann. Das ist der Trailer.

SCHÖNE SCHLECHTE AUSSICHTEN

Das ist Jonas. Jonas lebt in Brooklyn und verkauft auf der Straße Regenschirme. Doch es will und will einfach nicht regnen.
THE DROUGHT (Die Dürre) ist ein berührender Kurzfilm über Sehnsucht, Einsamkeit und Loyalität.