DER SCHÖNE 27. SEPTEMBER

Das ist ein Bild von einem schönen 27. September. Regen in Berlin, sonst nichts. Deshalb passt das Bild vielleicht ganz gut zu dem Gedicht, das mein Bruder Thomas an einem 27. September geschrieben hat.

DER SCHÖNE 27. SEPTEMBER heißt auch der Abend mit Jella Haase und Albrecht Schuch am 27.9.2022, 20 Uhr, im Pfefferberg Theater. Restkarten hier.

ZWEI FLIEGEN, EIN PAAR LEUTE
UND EIN SELTSAMER ZWISCHENFALL

Das ist das Skizzenbuch von Linn Sundqvist mit ihrer Hand.
Linn kommt aus Göteborg in Schweden und ist Malerin. Ich habe sie während eines Stipendiums im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop kennengelernt. Obwohl keine die Sprache der anderen verstand, merkten wir schnell, dass wir einen ähnlichen Humor haben. Vielleicht merkt man das auch der Geschichte an, die wir gemeinsam erfunden haben. Ich habe sie aufgeschrieben, sie hat dazu gezeichnet. Leider hat die Zeit nicht gereicht, weswegen im Laufe des Filmchens statt Bildern lediglich Platzhalter mit Bildbeschreibungen erscheinen. Aber so ist das manchmal …


Und hier ist noch ein schönes Foto von Linn durch das abwesende Auge einer Sprotte.

DIE VERLASSENE HAUPTSTADT

Das ist der U-Bahnhof Dimitroffstraße (Danziger Straße) in Prenzlauer Berg. Fotografiert von Günter Steffen an irgendeinem Sonntagmorgen in Ostberlin. In den 80er Jahren ist der Fotograf oft durch die Straßen seiner Stadt gestreift und hat sie menschenleer fotografiert. Er hat sich ein Objektiv aus Japan besorgt, von dem er sich gute Aufnahmen erhoffte. Doch das Objektiv legte über jedes seiner Bilder einen Schleier, der die Aufnahmen ganz unwirklich erscheinen lässt – wie eine dystopische Traumsequenz.
Jetzt sind die Fotos im Bildband DIE HAUPTSTADT – Ostberlin in den Achtzigern erschienen (Herausgeber: Günter Jeschonnek). Begleitet werden die Bilder durch Ausschnitte aus dem bedrückenden Roman WIR von Jewgeni Samjatin, der möglicherweise Aldous Huxley zu SCHÖNE NEUE WELT inspiriert haben könnte.

THOMAS BRASCH IM BABYLON

Foto: AKUD/Lars Reimann

Das ist das Kino Babylon. Dort fand vom 22.-24. November 2021 ein Thomas Brasch-Festival statt. Drei Tage Bühne, Film und Musik mit Katharina Thalbach, der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot, Masha Qrella und Jella Haase & Albrecht Schuch (die im Film LIEBER THOMAS von Andreas Kleinert die Hauptrollen spielen).
Der wundervolle Fotograf Lars Reimann war an allen drei Abenden dabei und hat Bilder gemacht, die wir hier unten zu einem Film zusammengeschnitten haben. Die Musik darunter ist von Miles Davis. Es war eines von Thomas’ Lieblingsstücken.

Der Film LIEBER THOMAS läuft immer noch im Kino …

ERFINDER ERFUNDEN

Das ist der Minister des Königs von Frankreich. Er möchte, dass sein Chef gut ankommt beim Volk, doch das Volk kann den König nicht leiden und findet, dass er aussieht wie ein Schwein.
So ungefähr beginnt die Geschichte DER KÖNIG VOR DEM FOTOAPPARAT, die sich Thomas Brasch über den Erfinder der Fotografie Louis Daguerre ausgedacht hat. Sie ist eines von drei Erfindermärchen, die vor kurzem im Künstlerband HEUTE WIRD SICH ALLES ÄNDERN von Matthias Mücke erschienen sind. Die anderen beiden handeln von Alexander Graham Bell (Telefon) und Peter Henlein (Taschenuhr).
Diese Geschichten sind voller Phantasie und anarchischem Witz und werden durch die skurril-subtilen Illustrationen von Matthias Mücke zu einem grandiosen Gesamtkunstwerk, zu dem auch ein aufwendig produziertes Hörspiel gehört, das dem Buch beiliegt.
Und weil bald Weihnachten ist: Das Werk liegt neben vielen anderen sehr guten Büchern von und über Thomas Brasch vom 22.-24.11. auf dem Büchertisch beim Thomas Brasch-Festival im Babylon.

Hier ein kleiner Ausschnitt …

Sprecher: Stefan Kaminski (Berlin), Stefan Kaminsky (Leipzig) und Marion Brasch
Geräusche: Karlheinz Fabian
Tongestaltung und Mischung: Fritz Dittmann
Regie: Matthias Mücke

Und hier noch eine schöne Aufnahme der Geschichte VOM DICKEN HERRN BELL, DER DAS TELEFON ERFUNDEN HAT, gesprochen vom Schauspieler Rolf Ludwig und als Single 1974 bei LITERA erschienen.

ZWANZIG JAHRE WEG


(Foto: Roger Melis)

Das ist mein Bruder Thomas. Er war 32 Jahre alt, als der Fotograf Roger Melis dieses Foto gemacht hat, das auf der Rückseite des ersten Buches erschien, das Thomas im Westen veröffentlicht hat. Das Buch hieß VOR DEN VÄTERN STERBEN DIE SÖHNE, und mein Bruder hätte es lieber in der DDR veröffentlicht, aber das ist eine andere Geschichte, die unter anderem in dem Spielfilm LIEBER THOMAS von Andreas Kleinert erzählt wird, der am 11. November ins Kino kommt.
Kurz danach, vom 22.-24. November, gibt es ein kleines Festival im BABYLON mit Thomas’ eigenen Filmen, Filmen über ihn und einem sehr schönen Bühnenprogramm mit Katharina Thalbach, Masha Qrella, Jella Haase, Albrecht Schuch und der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot. Das ist der Trailer:

Heute vor zwanzig Jahren ist Thomas gestorben. Er ist weg, aber er ist hier.

NACHRICHTEN AUS BERLIN

Das ist der Himmel über Berlin. So sieht er heute aus, aber so könnte er auch ausgesehen haben, als der polnische Autor Antoni Graf Sobański von 1933 bis 1936 als Reporter durch Deutschland reiste, um zu sehen und zu beschreiben, wie sich dieses Deutschland, das er aus der Ferne immer geliebt und bewundert hat, nach Hitlers “Machtergreifung” verändert.
Seine Aufzeichnungen haben die Schauspieler des Projekts Neues Künstler Theater zu einer literarischen Miniserie verdichtet, in der Sobánskis Texte mit stillen Bildern von heute und der Musik von damals unterlegt werden. Schön und verstörend zugleich. Hier ist Teil 1:

VERFLUCHTER HALBGOTT!

Das ist der Halbgott Tantalos. Die Götter mochten ihn, weil er so klug war und luden ihn zu sich ein. Er feierte mit ihnen, wurde jedoch schnell übermütig, prahlte und klaute ihnen Nektar und Ambrosia, die ihnen Unsterblichkeit verliehen. Bei einer Gegeneinladung setzte Tantalos den Göttern seinen eigenen Sohn Pelops als Mahl vor, um ihre Allwissenheit auf die Probe zu stellen. Die Götter bemerkten den Betrug jedoch, verstießen den Frevler und verfluchten ihn und seine Familie. Jeder seiner Nachfahren solle künftig ein Familienmitglied töten und weitere Schuld auf sich laden.
Aus der ganzen verfluchten Geschichte hat das Sprechkunst-Kollektiv Dlé (bestehend aus Kemo, Jackson Mehrzweck und Jaques Tabaqu) vor ein paar Jahren ein betörend schönes HipHop-Werk geschaffen.

DAS MÖRDERISCHE TIERALPHABET

Das ist ein Tintenfisch. Er befindet sich in einer ziemlich unkomfortablen Lage, die er nicht überleben wird. Genauso wie die fünfundzwanzig anderen Tiere, von denen der Beutelratten-Vater den Kindern in seiner Gutenachtgeschichte erzählt.
Inspiriert von den morbiden Bildergeschichten von Edward Gorey sterben hier alle Kreaturen in alphabetischer Reihenfolge einen sehr überraschenden Tod.
ACCIDENTS, BLUNDERS & CALAMITIES ist ein schaurig-schöner Trickfilm aus Neuseeland (mit interessantem Twist am Schluss).

Weiterführende Informationen:
Edward Gorey bei Wikipedia
Edward Goreys Bücher im Lilienfeld-Verlag

HERR TROLLER UND HERR BRASCH

Das sind Thomas Brasch und Georg Stefan Troller. Das Bild entstand 1977 bei Dreharbeiten, als der Journalist und Schriftsteller Troller einen Film über den Schriftsteller Brasch machen wollte, der gerade von Ost- nach Westberlin übergesiedelt war. Die Dreharbeiten gestalteten sich schwierig, weil Brasch keine Lust hatte, sich vereinnahmen zu lassen.
Das kann man jetzt auch nachlesen in Trollers Buch Liebe, Lust und Abenteuer – 97 Begegnungen meines Lebens.
Hier der Abschnitt über meinen Bruder und darunter die entsprechende Szene dazu.



Interessanterweise hat Troller in seinem Text auf die Pointe verzichtet. Nachdem der Filmemacher nämlich sagte, er wolle nur, dass das Schnitzel (also Brasch) nach sich selber schmecke, reagierte der Schriftsteller sehr lakonisch …