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SEPTEMBER 2019

Eine Sekunde am Tag
SCHMALFILMGEDÄCHTNIS

Das sind drei Jungs. Entnommen wurde diese Aufnahme einem der vielen Schmalfilme, die zwischen 1947 und 1990 von DDR-Bürgern gemacht wurden und die Geschichten erzählen, die in keinem Geschichtsbuch stehen.
Der schwedische Filmemacher Alberto Herskovits und der kanadische Politologe Laurence McFalls haben etwa zehn Jahre lang 2238 Filmrollen mit über 400 Stunden solchen Materials gesichtet, digitalisiert, verschlagwortet und in einem öffentlichen Archiv namens OPEN MEMORY BOX online zugänglich gemacht. Seit gestern kann man die Schmalfilm-DDR besuchen – entweder themenbezogen oder durch die Augen der Leute, die ihre 8mm-Filme zur Verfügung gestellt haben. Ein Abenteuer!
EIN FREMDER UNTER UNS

Das ist Nick Drake. Das Foto wurde aufgenommen als sein erstes Album FIVE LEAVES LEFT erschien. Das war auf den Tag genau vor fünfzig Jahren. Nick Drake war damals 21 Jahre alt und ahnte vermutlich nicht, dass der Titel der Platte fünf Jahre später durch seinen Tod zu einem fatalen Gleichnis werden würde. Ob selbsterfüllende Prophezeiung oder herbeigeredeter Mythos – gut, dass es diesen wundervollen Künstler gab.
Hier unten ein Song vom Album und darunter die Doku A STRANGER AMONG US.
AUGUST 2019
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Eine Sekunde am Tag.
ANDY
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Das ist Andy. Andrew Horn. Ich lernte ihn vor mehr als zwanzig Jahren kennen, als ich für den von ihm produzierten Film EAST SIDE STORY den Kommentar gesprochen habe. Danach sind wir uns meist zufällig begegnet, er wohnte bei mir um die Ecke und wir trafen uns hin und wieder beim Sport. Gestern las ich auf Facebook, dass er gestorben ist.
Auch wenn ich Andy nicht gut kannte, macht mich das sehr traurig, weil er ein sehr freundlicher, kluger, neugieriger, witziger und besonderer Mensch war, der sehr besondere Filme gemacht hat.
Mach’s gut Andy.
ES STEHT EIN HAUS IN OSTBERLIN …
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… 2 Kriege, 3 Systeme und demnächst 1 Tünche.
18. AUGUST 1989

Das ist mein Vater. Die Aufnahmen enstanden 1944 im englischen Exil und 1989 in Ostberlin. Dazwischen ist viel passiert, das sieht man.
Am 18. August 1989 ist er gestorben. Und weil er ZK-Mitglied war, bekam er eine offizielle Trauerzeremonie. Ein hoher Funktionär hielt eine Rede voller abgenutzter Worte, dann trugen sie seine Orden auf roten Samtkissen zu seinem Grab und spielten den Trauermarsch, den sie immer spielten. Ich hatte diese Beerdigungen schon tausendmal im Fernsehen gesehen, doch die hier war anders. Klar, es war mein Vater, den sie zu Grabe trugen, aber das war es nicht. Irgendwie passte diese seltsame Zeremonie nicht mehr in diese Zeit. Das Land lag doch auch schon im Sterben, und die Band, die hier den Trauermarsch spielte, war ja bloß die Vorband für eine größere Beerdigung, nur ahnte das damals noch niemand. Ich stand zwischen meinen Brüdern, wir hielten uns an den Händen und gehörten zusammen. Zum letzten Mal.
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